Sage über den "Singer Berg"

Der Singer Berg ist schon immer Gegenstand zahlreicher Sagen. Besonders über das Verschwinden einer Ritterburg auf dem Berg spekulierte man häufig. Eine Version lautet: Martin Luther durchwanderte, von Coburg kommend, das Ilmtal. "Da ihn die Nacht überraschte, suchte er eine Bleibe und gewahrte auf dem Singer Berg eine hell erleuchtete Ritterburg. Wildes Geschrei tönte von dort ins Tal hinunter. Droben wurde das verjubelt, was man draußen im Lande mit List und Gewalt erbeutet hatte. Zornig verwünschte er die Burg tief in den Berg: 'So hoch wie die Burg jetzt in die Luft ragt, so tief mag sie in den Schoß des Berges sinken.' Noch in der gleichen Nacht brach ein fürchterliches Unwetter los. Den schrecklichen Blitzen folgte unmittelbar der Donner. Plötzlich öffnete sich die Tiefe des Berges, und die Burg samt ihren Bewohnern versank ächzend und krachend. Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, schauten die Bewohner der Umgebung erstaunt zum Berg empor. Die Burg war und blieb verschwunden. Aus der Tiefe des Berges hört man zuweilen noch die Flüche der begrabenen Raubritter." (Quelle: Dr. A. Witzschel "Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen", Wien 1866 und 1878")
 

"Das Irrkraut"
Auf dem Singer Berg wachsen nicht nur die schlichte Blutnelke, der würzige Thymian und die Eberwurz, es gibt dort auch das schlimme Irrkraut. Mit diesem Teufelszeug hat einmal der Dörnfelder Förster üble Bekanntschaft gemacht. Er war in der Morgendämmerung zum Berge gegangen und am Felsen stehengeblieben, um einen Raubvogel zu beobachten. Als er weitergehen wollte, war es aus damit, kein Schritt gelang ihm. Seine Füße standen wie angewurzelt. Er war auf einen Trieb des Irrkrautes getreten. Erst ein Bauer, der sein Rufen gehört hatte, befreite ihn aus seiner Not. Kurzentschlossen drehte er den Forstmann dreimal um die eigene Achse, da war der Bann gebrochen.
(Quelle: Deubler, H.: Waldlandsagen, Rudolstadt, o. J.(hrg. von den Rudolstädter Heimatheften)
 
"Die Flachsknotten"
Als an einem lauen Sommerabend einige Bauern aus Singen von der Waldarbeit nach Hause gingen, trafen sie ganz überraschend am Waldrand auf ein weißgekleidetes Mädchen mit langem, blondem Haar. Das bat die Männer, ihr beim Flachsbreiten zu helfen. Allein könne sie die Arbeit nicht schaffen, denn es dunkle ja schon. Die Bauern glaubten an einen Spuk, wie das am Singer Berg nicht das erste Mal der Fall war, und machten sich schleunigst davon. Nur der jüngste hatte Mitleid mit dem schönen Mädchen, blieb und half tüchtig. Dafür erhielt er etwas von dem Flachssamen, warf ihn aber achtlos weg. Nur ein wenig blieb an seinen Stiefeln haften, und das war, kaum dass er das Dorf erreicht hatte, zu Gold geworden. Eilig kehrte da der Bursche um und fand auch die Flachsknotten; das Mädchen freilich war verschwunden. Schnell raffte er zusammen, was er tragen konnte und schleppte es zum Dorf. Doch solange er auch warten mochte, der Flachs blieb, was er war.
(Quelle: Deubler, H.: Waldlandsagen, Rudolstadt, o. J.(hrg. von den Rudolstädter Heimatheften)
 
Sage von der "weißen Frau"
Die weiße Frau hatte einen jungen Schäfer in den Singer Berg gewinkt. Beim durchschreiten der unterirdischen Gemächer gelangte er an eine Tafel, die mit den köstlichsten Speisen und Getränken besetzt war. Er langte tüchtig zu und viel durch den Genuss des schweren Weines in einen tiefen Schlaf. Durch ein lautes Pochen geweckt, fand er im Raum nebenan Gewappnete, die fest schliefen. Nur ein alter, graubärtiger Ritter hatte die Augen geöffnet und fragte den Schäfer, welche Jahreszahl man schreibe. Der antwortete nach bestem Wissen, worauf der Alte einen tiefen Seufzer hören ließ. "Noch lange nicht?" murmelte er. "Ach schone die gelben Blumen!" Noch ehe der Hirte seine Verwirrung überwunden hatte, gab es im Berg ein gewaltiges Krachen. Vergeblich sah er sich nach seiner
Herde um und eilte hinab nach Singen, wo ihn überall fremde Gesichter anstarrten. Alles kam ihm seltsam verändert vor. Der Hirte hatte 100 Jahre im Singer Berg verschlafen.

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